Die VdS 2871 ist eine bedeutende Richtlinie für die Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Sie dient als Grundlage für die Durchführung von Prüfungen gemäß der Klausel SK 3602, die von Versicherungen und Sachverständigen häufig als Standard zur Risikobewertung herangezogen wird. Die Einhaltung dieser Vorschrift trägt maßgeblich zur Reduzierung von Brandrisiken und Betriebsausfällen bei.
Die VdS 2871 hat das Ziel, die elektrische Sicherheit in Betrieben zu gewährleisten und Schadensfälle durch fehlerhafte elektrische Installationen oder defekte Betriebsmittel zu vermeiden. Sie beinhaltet Vorgaben für:
Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen
Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel
Erstellung von Prüfberichten und Dokumentationen
Einhaltung technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Risikominimierung
Die Umsetzung der VdS 2871 ist insbesondere für Unternehmen relevant, die sich gegen Brand- und Sachschäden absichern möchten, da viele Versicherer die Einhaltung dieser Norm als Voraussetzung für den Versicherungsschutz fordern.
Die VdS 2871 findet Anwendung in:
Industriebetrieben und Produktionsstätten, in denen hohe elektrische Lasten auftreten
Bürogebäuden und öffentlichen Einrichtungen, wo viele elektrische Betriebsmittel genutzt werden
Handels- und Logistikunternehmen, die auf eine stabile Stromversorgung angewiesen sind
Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, in denen medizinische Geräte elektrisch sicher betrieben werden müssen
Wohngebäuden und Mehrfamilienhäusern, insbesondere in Bereichen mit kritischer elektrischer Infrastruktur
3.1 Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen
Kontrolle der Schaltanlagen, Verteilungen und Schutzmaßnahmen
Überprüfung der Erdungssysteme und Potentialausgleichsmaßnahmen
Messung der Netzimpedanz und Schleifenwiderstände
Thermografische Untersuchungen zur Erkennung von Überhitzungen
Prüfung der Schutzeinrichtungen (FI-Schalter, Sicherungen)
3.2 Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel
Kontrolle von Kabeln, Steckern und Gehäusen auf Beschädigungen
Messung des Isolationswiderstands und Ableitströme
Prüfung der Schutzleiterfunktion und Gehäusepotentiale
Funktionsprüfung elektrischer Geräte unter Betriebsbedingungen
3.3 Dokumentation und Prüfberichte
Erstellung von Prüfprotokollen mit detaillierten Messergebnissen
Klassifizierung von Mängeln nach Dringlichkeit
Vorgaben zur Behebung festgestellter Mängel
Archivierung der Prüfberichte als Nachweis für Versicherungen und Behörden
Die Prüfungen erfolgen in regelmäßigen Abständen durch elektrotechnisch unterwiesene Personen oder Sachverständige. Die Intervalle sind abhängig von:
Der Art der elektrischen Anlage oder des Betriebsmittels
Der Nutzungshäufigkeit und Belastung
Den Umgebungsbedingungen (z. B. Feuchtigkeit, Staub, Hitze)
Empfohlene Prüfintervalle:
Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel: Jährlich bis alle vier Jahre
Ortsfeste elektrische Anlagen: Alle vier Jahre bis zehn Jahre
Kritische elektrische Systeme: Jährlich oder häufiger bei besonderen Risiken
Die Umsetzung der VdS 2871 stellt Unternehmen vor verschiedene Herausforderungen:
Fehlendes Fachpersonal zur Durchführung der Prüfungen
Kosten für externe Prüfungen durch Sachverständige
Erfüllung von Versicherungsanforderungen, die über die Norm hinausgehen können
Dokumentationspflichten zur lückenlosen Nachverfolgbarkeit
Integration der Prüfprozesse in den laufenden Betrieb ohne Produktionsausfälle
Die Einhaltung der VdS 2871 ist ein essenzieller Bestandteil der Betriebssicherheit und trägt maßgeblich zur Reduktion von Schadensrisiken bei. Unternehmen profitieren durch eine höhere Betriebssicherheit, niedrigere Versicherungsprämien und eine längere Lebensdauer ihrer elektrischen Anlagen. Die regelmäßige Prüfung und Instandhaltung ist nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine Investition in die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Betriebsprozesse.